Mietminderung und Mietminderungstabelle

Wann darf ich wie viel Miete kürzen?

Mietminderung
Wenn die angemietete Wohnung nicht wie vereinbart genutzt werden kann, darf die Miete gekürzt werden. Die Höhe der zulässigen Mietminderung hängt davon ab, wie stark der Mangel das Leben in der Wohnung beeinträchtigt. Für die Minderungshöhe sind Grad und Dauer der Beeinträchtigung entscheidend. Um wie viel Prozent der Mieter eine Mietminderung durchführen kann, lässt sich leider nicht eindeutig beantworten, da es dazu keine verbindlichen Richtlinien gibt. Es gibt aber Orientierungsgrößen, nach denen sich der Mieter richten kann.

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Bevor der Mieter die Miete kürzen darf, gibt es aber noch einiges zu beachten:
  • Der Mieter muss jeden Mangel dem Vermieter sofort melden. Erst danach darf er die Miete mindern, solange bis der Eigentümer den Mangel beseitigt hat.
  • Eine Mietminderung ist rückwirkend nicht möglich!
  • Der Mieter darf den Schaden nicht selbst verursacht haben!
  • Der Mangel darf bei Abschluss des Mietvertrages noch nicht bekannt gewesen sein.
  • Achtung: bei überzogener Mietminderung droht die fristlose Kündigung!


Die Bruttomiete ist entscheidend

Die Mietminderung ist stets nach der Bruttomiete zu bemessen, wie der BGH mittlerweile für die Wohnraummiete (BGH Urt. v. 26.7.2005 – VIII ZR 347/04) und auch für die Gewerberaummiete (BGH Urt. v. 6.4.2005 – XII ZR 225/03) entschieden hat. Der Vermieter muss dann natürlich die geminderten Betriebskostenzahlungen in ungeminderter Höhe zur Grundlage seiner Abrechnung machen, denn andernfalls würde er sich die geminderte Miete ja über eine Betriebskostennachforderung wieder hereinholen können.

Mietminderungstabelle:

Die in der u.s. Mietminderungstabelle angegebenen Minderungsquoten bieten eine grobe Orientierung, beanspruchen jedoch keine Allgemeingültigkeit, da es sich immer um eine Einzelfallentscheidung handelt.

Mangel Minderungsquote Urteil
Abwasserstau 38% AG Groß-Gerau, Urteil vom 19.07.1979, Az.: 21 C 1336/78
Badewanne nicht benutzbar 18,75% AG Goslar, Urteil vom 18.09.1973, Az. 8 C 716/72
Baulärm 25% LG Darmstadt, Urteil vom 18.03.1983, Az.: 17 S 284/82
nicht nutzbarer Balkon 3% AG Wetzlar, Urteil vom 15.12.2008, Az.: 38 C 1467/08
Brand – Wohnung unbrauchbar 100% LG Frankfurt am Main, Urteil vom 12.09.1995, Az.: 2/11 S 147/9
fehlender Briefkasten 5% AG Köln, Urteil vom 16.12.1993, Az.: 208 C 124/93
Beeinträchtigungen durch Dachgeschossausbau 33%
80%
LG Berlin, Urteil vom 08.03.1996, Az.: 64 S 357/95
LG Hamburg, Urteil vom 11.01.1996, Az.: 307 S 135/95
nicht nutzbare Dusche 16,66% AG Köln, Urteil vom 28.11.1986, Az.: 221 C 85/86
Einbauküche – fehlt, trotz vertraglicher Zusage 100% LG Itzehoe, Urteil vom 25.02.1997, Az.:1 S 397/96
Elektrik – kompletter Ausfall 100% AG Neukölln, Urteil vom 20.10.1987, Az.: 15 C 23/87
Elektrik - Lose Steckdose 0,5% LG Berlin, Urteil vom 13.01.2004, Az.: 64 S 334/03
eingerüstete Fassade 15% AG Mainz, Urteil vom 28.11.1996, Az.: 10 C 49/96
Fahrstuhlausfall
(4. Etage)
(6. Etage)

10%
15%

AG Charlottenburg, Urteil vom 15.12.1989, Az.: 2 C 484/89
Amtsgericht Berlin-Mitte, Urteil vom 03.05.2007, Az. 10 C 3/07
fehlende Fliesen 0% LG Berlin, Urteil vom 20.11.1980, Az.: 61 S 200/80
unzumutbare Gerüche 45% AG Köln, Urteil vom 27.09.1988, Az.: 201 C 457/87
Gerüst vor Dachgeschosswohnung 50% BGH, Urteil vom 12.12.2012, Az.: VIII ZR 181/12
Geruchsbelästigungen durch Fleischerei 5% AG Pankow/Weißensee, Urteil vom 05.08.2004, Az.: 3 C 71/03
Garagentor - Lärmbelästigung 20% AG Mainz, Urteil vom 13.11.2002, Az.: 81 C 230/01
Heizungsausfall im Winter 70%
100%
LG Berlin, Beschluss vom 18.08.2002, Az.: 67 T 70/02
Landgericht Hamburg, Urteil vom 15.05.1975, Az. 7 O 80/74 und LG Berlin, Urteil vom 20.10.1992, Az.: 65 S 70/92
Hellhörige Wohnung 20% AG Wedding, Urteil vom 22.05.1985, Az.: 6 C 211/85
nicht abschließbare Haustür 5% AG Köln, Urteil vom 28.10.1976, Az.: 153 C/ 76
Kugelkäferplage 50% AG Trier, Urteil vom 11.09.2008, Az.: 8 C 53/08
Kriminelle Nachbarn 25% AG Köln, Urteil vom 04.01.1978, Az.: 152 C 1322/77
Kinderlärm 0% AG Hamburg-Bergedorf, Urteil vom 11.11.2008, Az.: 409 C 285/08
defekter Küchenherd 5% LG Berlin, Urteil vom 13.10.1980, Az.: 61 S 171/80
Lärmbelästigung - laute Musik 50% AG Braunschweig, Urteil vom 03.08.1989, Az.: 113 C 168/89 (9)
Lärmbelästigung - zwei Gaststätten 40% LG Berlin, Urteil vom 05.08.2002, Az.: 67 S 342/01
Lärmbelästigung - Glascontainer 10% AG Rudolstadt, Urteil vom 20.05.1999, Az.: 1 C 914/98
aufgesprungener Laminat 20% AG Schöneberg, Urteil vom 10.04.2008, Az.: 109 C 256/07
Legionellenbefall des Trinkwassers 25% AG Dresden, Urteil vom 11.11.2013, Az. 148 C 5353/13
Mäuse in der Stadtwohnung 100% AG Brandenburg a. d. Havel, Urteil vom 06.08.2001, Az.: 32 C 520/00
Mottenbefall 25% AG Bremen, Urteil vom 05.12.2001, Az.: 25 C 0118/01
Kaputter Rollladen 3% LG Berlin, Urteil vom 14.09.2006, Az.: 62 S 90/06
Silberfische in der Wohnung 20% AG Lahnstein, Urteil vom 19.10.1987, Az. 2 C 675/87
Stromausfall 100% AG Neukölln, Urteil vom 20.10.1987, Az.: 15 C 23/87
verstopfte Toilette 50% AG Hannover, Urteil vom 10.10.2008, Az.: 559 C 3475/08
Taubenbefall 35% LG Freiburg, Urteil vom 19.06.1997, Az.: 3 S 386/96
Teppichbodenmängel 15% OLG Celle, Urteil vom 19.10.1994, Az.: 2 U 216/93
Trocknungsgeräte im Einsatz 100% AG Schöneberg, Urteil vom 10.04.2008, Az.: 109 C 256/07
Überschwemmung der Wohnung durch Regen, Gestank 100% AG Friedberg, Urteil vom 06.07.1983, Az.: C 389/82
Venezianischer Spiegel – Mieter heimlich ausspioniert 100% AG München, Urteil vom 19.10.2006, Az.: 473 C 18682/06
Wasser aus der Zimmerdecke 30% AG Kiel, Urteil vom 26.06.1980, Az.: 13 C 9/80
Ausfall der Wasserversorgung 20% LG Berlin, Beschluss vom 18.08.2002, Az.: 67 T 70/02
defekter Wasserboiler 15% AG München, Urteil vom 10.01.1991, Az.: 232 C 37276/90
rostiges Wasser 20% AG Görlitz, Urteil vom 03.11.1997, Az.: 1 C 1320/96
nicht abschließbare Wohnungstür 25% AG Potsdam, Urteil vom 09.03.1995, Az.: 26 C 406/94
Zigarettenrauch aus der Nachbarwohnung 20% LG Stuttgart, Urteil vom 27.05.1998, Az.: 5 S 421/97
Zugluft - undichte Türen 5% OLG Düsseldorf, Urteil vom 23.03.2000, Az.: 10 U 160/97
Zutrittsverweigerung zur Wohnung für Lebensgefährten 100% LG Gießen, Urteil vom 01.03.2000, Az.: 1 S 443/99